EMDR – belastende Erfahrungen gezielt verarbeiten
Wenn Erinnerungen, Gefühle oder innere Reaktionen immer wieder hochkommen und Du sie therapeutisch bearbeiten möchtest.
Wenn Verstehen allein nicht reicht
Vielleicht weißt Du längst, warum Dich etwas belastet.
Du kannst die Situation einordnen.
Du verstehst, was damals passiert ist.
Und trotzdem reagiert ein Teil von Dir heute noch so, als wäre das Erlebte nicht wirklich vorbei.
Vielleicht tauchen bestimmte Bilder immer wieder auf.
Vielleicht gibt es Situationen, in denen plötzlich starke Gefühle entstehen.
Vielleicht reagierst Du körperlich mit Anspannung, Unruhe, Enge oder einem anderen unangenehmen Erleben.
Oder Du merkst:
Ich weiß eigentlich, dass ich heute sicher bin – aber mein Erleben fühlt sich in diesem Moment nicht so an.
Genau dort kann EMDR ein möglicher therapeutischer Zugang sein.
Warum kann sich Vergangenes heute noch so gegenwärtig anfühlen?
Normalerweise werden Erfahrungen im Laufe der Zeit verarbeitet und mit anderem Wissen verknüpft.
Dann kann etwas innerlich eher seinen Platz finden:
Das ist damals passiert.
Heute ist die Situation anders.
Ich habe heute andere Möglichkeiten.
Bei sehr belastenden oder überwältigenden Erfahrungen kann diese Verarbeitung unvollständig bleiben.
Dann können einzelne Aspekte besonders eng miteinander verbunden bleiben.
Zum Beispiel:
innere Bilder,
Gedanken,
bestimmte Bewertungen,
Gefühle
oder Körperempfindungen.
Eine spätere Situation kann dann Teile dieser alten Erfahrung wieder aktivieren.
Vielleicht erinnert Dich etwas an damals, ohne dass Du bewusst darüber nachdenkst.
Und plötzlich fühlt sich eine Reaktion sehr gegenwärtig an.
Vereinfacht gesagt:
Die Vergangenheit wird nicht nur erinnert, sondern in Teilen wieder als gegenwärtig erlebt.
EMDR kann dabei helfen, belastende Erfahrungen weiterzuverarbeiten und stärker mit dem zu verbinden, was heute ebenfalls wahr ist.
Zum Beispiel:
Das ist passiert – und es ist vorbei.
Verarbeitung bedeutet nicht, etwas zu vergessen – sondern dass das Erlebte seinen Platz in Deiner Vergangenheit finden kann.
EMDR ist mehr als Augenbewegung
EMDR wird häufig vor allem mit schnellen Augenbewegungen verbunden.
Die bilaterale Stimulation ist tatsächlich ein wichtiger Bestandteil der Methode.
Sie kann beispielsweise über geführte Augenbewegungen erfolgen.
Aber EMDR besteht nicht nur daraus.
Es handelt sich um ein strukturiertes psychotherapeutisches Vorgehen, das mehrere Phasen umfasst.
Dazu gehören unter anderem:
die gemeinsame Einschätzung des Anliegens,
Vorbereitung und Stabilisierung,
die Auswahl einer geeigneten belastenden Erfahrung oder Zielerinnerung,
die eigentliche Verarbeitung
und die anschließende Überprüfung dessen, was sich verändert hat.
Die Augenbewegungen beziehungsweise andere Formen bilateraler Stimulation sind also ein Element innerhalb eines größeren therapeutischen Prozesses.
EMDR bezieht verschiedene Teile des Erlebens ein
EMDR setzt nicht nur beim bewussten Nachdenken über eine Erfahrung an.
In die Verarbeitung werden auch die damit verbundenen inneren Bilder, Gedanken und Bewertungen, Gefühle sowie Körperempfindungen einbezogen.
Körperempfindungen können dabei als ein Teil des aktuellen inneren Erlebens wahrgenommen und in den therapeutischen Prozess einbezogen werden.
So können auch Aspekte einer belastenden Erfahrung bearbeitet werden, die sich durch reines Verstehen oder darüber Sprechen allein nicht immer verändern.
Du musst nicht jedes Detail erzählen
Manche Menschen haben Sorge, dass sie bei EMDR eine belastende Erfahrung vollständig und sehr detailliert erzählen müssen.
Das ist nicht zwingend notwendig.
Natürlich braucht es ausreichend Informationen, damit ich verstehen kann, worum es geht und ob EMDR für das Anliegen geeignet ist.
Aber die eigentliche Verarbeitung erfordert nicht automatisch, dass Du jedes Detail einer Erfahrung ausführlich schilderst.
Ein Teil des Prozesses findet in Deinem eigenen inneren Erleben statt.
Das kann besonders hilfreich sein, wenn bestimmte Inhalte schwer in Worte zu fassen sind oder Du nicht jedes Detail aussprechen möchtest.
Du musst dabei nichts „richtig machen“
Vielleicht kennst Du Gedanken wie:
Was, wenn ich dabei nichts sehe?
Was, wenn ich nicht die richtige Erinnerung finde?
Was, wenn meine Gedanken abschweifen?
EMDR funktioniert nicht wie eine Prüfung.
Du musst keinen bestimmten inneren Ablauf produzieren.
Gedanken können auftauchen.
Bilder können sich verändern.
Gefühle können stärker oder schwächer werden.
Manchmal tauchen neue Erinnerungen oder Zusammenhänge auf.
Und manchmal passiert zunächst scheinbar wenig.
Die Aufgabe besteht nicht darin, etwas Bestimmtes zu erzwingen.
Vielmehr beobachten wir gemeinsam, was sich im Prozess entwickelt.
EMDR bedeutet nicht Kontrollverlust
Auch während einer EMDR-Verarbeitung bleibst Du ansprechbar und orientiert.
Du befindest Dich nicht in Hypnose und gibst die Kontrolle nicht ab.
Du kannst jederzeit sagen, wenn etwas zu viel wird.
Du kannst eine Pause machen.
Du kannst Fragen stellen.
Und Du kannst sagen, wenn Du den Prozess unterbrechen möchtest.
Gerade bei belastenden oder traumatischen Erfahrungen ist es wichtig, dass die Verarbeitung nicht gegen Deine Grenzen geschieht.
Vorbereitung und Stabilität gehören dazu
EMDR bedeutet nicht, möglichst schnell in die belastendste Erinnerung einzusteigen.
Vor einer Verarbeitung schauen wir gemeinsam darauf, ob die Methode für Dich und Dein aktuelles Anliegen passend ist.
Dabei spielen unter anderem Fragen eine Rolle wie:
Wie stabil fühlst Du Dich aktuell?
Welche Möglichkeiten hast Du, Dich nach Belastung wieder zu regulieren?
Wie stark wird das Thema im Alltag bereits aktiviert?
Welche Ressourcen stehen Dir zur Verfügung?
Und was braucht es möglicherweise zunächst, damit eine Verarbeitung gut getragen werden kann?
Manchmal kann EMDR relativ früh sinnvoll sein.
Manchmal braucht es vorher mehr Stabilisierung.
Und manchmal ist eine andere therapeutische Methode zunächst passender.
Nicht die Methode gibt das Tempo vor – sondern Deine aktuelle Situation.
EMDR ist nicht nur für „das eine große Trauma“
EMDR wurde ursprünglich vor allem im Zusammenhang mit traumatischen Erfahrungen bekannt.
Heute wird die Methode auch bei unterschiedlichen belastenden Erlebnissen eingesetzt.
Das können beispielsweise einzelne stark belastende Ereignisse sein.
Aber auch Erfahrungen, die sich über längere Zeit wiederholt haben.
Manchmal geht es um Situationen, die von außen vielleicht gar nicht außergewöhnlich wirken, für die betreffende Person aber eine starke Bedeutung bekommen haben.
Entscheidend ist deshalb nicht nur:
War dieses Ereignis objektiv schlimm genug?
Sondern auch:
Wie wirkt es heute noch in Dir weiter?
Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass jede Belastung automatisch mit EMDR behandelt werden sollte.
Ob die Methode sinnvoll ist, hängt immer vom individuellen Anliegen und dem therapeutischen Verlauf ab.
Was sich durch Verarbeitung verändern kann
Wenn eine belastende Erfahrung weiterverarbeitet werden kann, verschwindet sie nicht aus Deiner Biografie.
Du erinnerst Dich weiterhin daran.
Aber die Erinnerung kann ihre unmittelbare emotionale Kraft verlieren.
Vielleicht kannst Du an etwas denken, ohne dass sofort dieselbe starke Reaktion entsteht.
Vielleicht fühlt sich eine heutige Situation irgendwann wirklich wie heute an – und nicht mehr wie eine Wiederholung von damals.
Vielleicht verändert sich auch die Bedeutung, die Du einer Erfahrung gegeben hast.
Aus:
Ich war hilflos.
kann beispielsweise stärker werden:
Damals hatte ich kaum Möglichkeiten. Heute habe ich welche.
Aus:
Ich bin schuld.
kann entstehen:
Ich habe damals so reagiert, wie ich reagieren konnte.
Und aus:
Es passiert wieder.
kann zunehmend werden:
Ich bin jetzt hier.
Das Ziel ist nicht, eine Erinnerung schönzureden.
Sondern dass sie weniger Macht über Dein heutiges Erleben und Handeln bekommt.
EMDR und Traumatherapie
EMDR kann ein wichtiger Bestandteil traumatherapeutischer Arbeit sein.
Traumatherapie besteht aber nicht automatisch nur aus EMDR.
Je nach Deiner Situation können zunächst andere Dinge wichtiger sein.
Zum Beispiel Stabilisierung.
Das Verstehen eigener Reaktionen.
Der Umgang mit starken Gefühlen.
Beziehungs- und Vertrauensarbeit.
Oder der Aufbau von mehr Sicherheit im Alltag.
EMDR ist deshalb für mich eine Methode innerhalb eines größeren therapeutischen Prozesses.
Nicht jede traumatische Erfahrung muss mit EMDR bearbeitet werden.
Und nicht jede EMDR-Sitzung ist automatisch Traumatherapie.
Ob EMDR für Dich passend ist, entscheiden wir nicht vorab nach einem Etikett
Vielleicht hast Du bereits viel über EMDR gelesen und möchtest gezielt damit arbeiten.
Vielleicht weißt Du noch gar nicht, ob die Methode für Dein Anliegen geeignet ist.
Beides ist in Ordnung.
Im ersten Schritt geht es nicht darum, möglichst schnell eine bestimmte Methode anzuwenden.
Sondern darum zu verstehen:
Was belastet Dich?
Wie wirkt es heute noch nach?
Und welcher therapeutische Zugang kann sinnvoll sein?
Wenn EMDR dazu passt, können wir die Methode gezielt in den weiteren Prozess integrieren.
In einem kostenlosen Erstgespräch können wir schauen, was Dich aktuell beschäftigt und ob meine Begleitung für Dich passend ist.
Hinweis zur Methode
EMDR ist eine psychotherapeutische Methode und wird nicht automatisch bei jedem belastenden oder traumatischen Thema eingesetzt.
Ob eine Verarbeitung mit EMDR sinnvoll ist, hängt unter anderem von Deinem Anliegen, Deiner aktuellen Stabilität und dem bisherigen therapeutischen Verlauf ab.
Eine konkrete Wirkung oder ein bestimmter Verlauf kann nicht garantiert werden.
Vielleicht erkennst Du Dich auch hier wieder
Wenn belastende oder traumatische Erfahrungen bis heute nachwirken und Du mehr über den gesamten traumatherapeutischen Rahmen erfahren möchtest.
Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, wie EMDR mit anderen therapeutischen Zugängen in meiner integrativen Arbeitsweise verbunden werden kann.
